Zur Rezeption von Aleksandar Tišma in Serbien

Aleksandra Salamurović

Abstract


In der traditionellen Komparatistik, zu der auch die Rezeptionsforschung gehört, ist es üblich, die Rezeption eines Autors und/oder seiner Werke in einem fremden Land zu untersuchen. In diesem Beitrag soll jedoch die in Westeuropa wenig bekannte Rezeption der Werke von Aleksandar Tišma in seinem Heimatland beleuchtet werden. Da Tišma fast fünfzig Jahre lang (von seinem ersten veröffentlichten Gedichtband Naseljeni svet [Die bewohnte Welt], 1956, bis zur Veröffentlichung seiner Tagebücher, 2001) das Interesse von Kritikern und Lesern auf sich gezogen hat, wird hier erst ein erster Überblick über die Vielfalt des Interesses für Tišmas Werke gegeben.
Der Aufsatz geht im Einzelnen der Frage nach, wie die Stellungnahmen der serbischen Presse zum Tode von Tišma waren, danach wird ein Überblick über Kritiken und Rezensionen zu Tišmas Werken und eine Auswahl aus ihnen vorgestellt, und schließlich wird auf der Grundlage von Interviews, die Tišma im Laufe von etwa 20 Jahren gegeben hat, seine persönliche Stellungnahme zu seinen Werken herausgearbeitet.
Eine der häufig auftretenden Meinungen zu Tišmas Werken, ausgegangen von der Thematik, dem Stil und spezifischen sprachlichen Ausdruck, ist es, Aleksandar Tišma sei ein mitteleuropäischer Schriftsteller, in dessen Werken kein für balkanische Autoren so spezifischer Historizismus und Pathos zum Ausdruck kommt. Trotzdem oder gerade aus diesem Grund ist die Aufnahme der Werke von Tišma sowohl von der Seite der Literaturkritiker als auch von der Leserschaft als wechselhaft zu bezeichnen. Darüber hinaus stellt der ausgeprägte Individualismus von Tišma weitere Schwierigkeiten für das Lesen und Verstehen seiner Werke seitens der sich eher mit der Massenkultur identifizierenden Landsleute von Tišma dar.

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© 2018 Zeitschrift für Balkanologie (ISSN 0044-2356) Gefördert durch DFG Harrassowitz Verlag Logo